Oder wie kommt eine österreichische Fahne und eine leere Zirbenflasche in ein französisches Pub in einem der besten Skigebiete der Welt.
Es gab schon einmal einfachere Winter, um die Frankreich-Skireisen
durchführen zu können. Hartnäckiger Schneemangel in ganz
Europa vor Weihnachten und in Österreich auch ins neue Jahr hinaus
animierten nicht gerade zum ausgiebigen Skifahren.
Trotzdem bereuten wir es nicht, von 02 . - 11.Februar das Skigebiet Espace Killy besucht zu haben.
Einer sehr entspannten Anreise, zu der maßgeblich die
(Frei-)Biervorräte im Tieber-Schlafbus beigetragen hatten, folgte
eine ausgiebige Einkaufspause beim Super U. Zeit genug, um nach dem
Einkauf eine Flasche Rotwein zu öffnen und die schneebedeckten
Berge vom Parkplatz aus zu studieren. Bereits hier zeigte sich, dass
die Befürchtungen einer zu knappen Schneedecke unbegründet
waren.

Angekommen in Val Claret bemerkten wir sofort, was uns auch die ganze restliche Woche immer wieder auffiel: So wenige Gäste wie in unserer Woche hatten wir während der letzten 19 Jahre, in denen diese Skireisen stattfinden, noch nie. Was uns nicht sonderlich störte, es gab viel Platz für uns. Hauptsache war, dass der Wobbly geöffnet hatte, auch, wenn er sich wieder ein neues Outfit und einen neuen Namen zugelegt hatte: Le Bistro Skishop. Wir waren sogar ein bißchen froh, dass bei unserer Ankunft niemand im Quartier anzutreffen war, so konnten wir die Zwangspause sogleich zur Inspektion der Situation in unserer allerliebsten Kneippe nutzen. Vom Konzept her gleich wie in den letzten 3 Jahren, so hatten doch die Besitzer gewechselt. Recht schnell war Freundschaft geschlossen und auch der Modus der Happy Hour fand rasch Anklang: Zwischen 16 und 18 Uhr gab es jeweils ein Gratisgetränk gleicher Art, NACHDEM man das erste Getränk ausgetrunken hatte. (Kleines Bier: 3,- EUR; großes Bier: 5,- EUR).

Schlussendlich bezogen wir bis um ca. 15:30 Uhr doch die Appartements und um 17 Uhr starteten wir die obligate LVS-Übung. Bereits hier merkten wir, dass trotz strahlendem blauen Himmel die Temperaturen gegen Tagesende empfindlich anzogen.

Die ersten beiden Skitage präsentierten sich mit strahlendem Sonnenschein. So konnten die Neulinge bequem das Gebiet kennen lernen und wir bekamen einen guten Überblick über die Bedingungen im Gelände. Optisch wirkten die Off-Piste-Abfahrten alle ein wenig schöner, als sie tatsächlich zu befahren waren. Der von weiten sehr weich erscheinende Schnee entpuppte sich oft als gefroren oder harschig, was sich meist erst nach Beobachtung des ersten Abfahrenden zeigte. Nichtsdestotrotz genossen wir die zahlreichen Varianten abseits der Pisten und hofften gleichzeitig, dass sich die Wetterprognose bewahrheiten würde und sich mit Neuschneezuwachs nur in der Nacht von Di auf Mi einstellen sollte. Der Neuschnee kam, doch nicht in der Nacht, sondern bereits am Dienstag tagsüber. Wir reduzierten etwas das Programm, bevorzugten nun die Pisten oder nutzten Ausflüge auch nach Val d'Isere, wo Peter Tieber seinen Freund dem Besitzer des Hotels Gran Paradis Franz Korosec besuchte. Dieser besitzt das beste Haus im noblen Skiort und beherbergt während des Skiweltcups immer alle österreichischen Rennfahrer.

Dieser Besuch (bei dem Fritz u. Uli, Ernstl und Nofi den Peter
begleiteten und der uns 2 Flaschen Champagner während des
WM-Damen-Super Gs schlürfen ließ) sollte am Donnerstag eine
Fortsetzung finden: Peter wollte aufgrund des schlechten Wetters nur
nach Val d'Isere rüber zum Shoppen. Um 11 Uhr machte er sich auf
den Weg, kurz nach 15 Uhr empfing ihn Ernstl (der an diesem Tag
paussierte) schon wieder im Appartement. Doch sein Zustand deutete
nicht auf eine Shoppingtour, sondern auf feuchtfröhliche
Hüttenpartie hin .... Was war passiert? Peter hatte wieder im
Hotel von Frankie Korosec vorbeigeschaut, was dieser mit einem
Begrüßungsbier an der Bar quittierte. Im nächsten
Moment kam jedoch ein steirischer Koch aus der Küche mitsamt dem
einzigartigen Genepy (Schnaps angesetzt mit der seltenen Pflanze, die
allerdings gerade auf den Skibergen von Tignes/Val d'Isere so
prächtig gedeiht). Und kurz darauf gesellte sich auch noch Paul
McCartney zu den österreichischen Schnapstrinkern (kein
Schmäh, die Prominenten gehen aus und ein in diesem Hotel). Bei
lauter geeichten Männern dauerte es also nicht lange, bis der
Genepy geleert war und Peter gab w.o. und kämpfte sich mit den
Skiern (und ohne Einkäufe) wieder zurück nach Tignes, wo ihn
Ernstl etwas überrascht am Appartement empfing und ihm half, auch
die Skier und Schuhe ordnungsgemäß im Stall zu verstauen.
Auch nicht gerade alkoholfrei ging es im App. 602 her: Birgit, vor 2 Jahren beim Ostertermin bestens von der "finest selection" der Siemens Onkels in diese Reise eingeführt, weihte ihrerseits Mülli, Kevin und Klaus (allesamt aus Leoben) in die Geheimnisse in Frankreich ein.

Sie waren jeden Tag für eine Aktion gut, diese reichten von "Oben ohne" beim Aguille Percee (Lochfelsen) über Runden Laufen rund um Le Schuss im Boxershort bis zu nächtlichen Wobblybesuchen mit russgeschwärztem Gesicht (nach längeren Rippel-Dippel-Schlachten). Ihren völkerverbindenden Charakter zeigten sie, indem sie mit Kellner und Chef vom Wobbly die französischen Schnäpse durchtesteten um schlussendlich die volle Zirbenflasche aus dem eigenen Appartement zu holen und diese mit den beiden Einheimischen am Mittwoch abend im Lokal zu leeren. Von diesem legendären Abend, an dem auch Hansl aus Eibiswald und später Nofi beiwohnten, zeugten die leere Zirbenflasche im Spirituosen-Regal und die fix montierte Österreichfahne im Wobbly noch lange.

Eine andere nicht alltägliche Begebenheit ereignete sich ebenfalls im Wobbly:
Mone und Arnulf warteten mit einer Runde von 11 Bier auf und
verkündeten erst nach Urgieren des Anlasses, dass der Arnulf der
Mone an diesem Tag einen Heiratsantrag gemacht hatte. Wo er dies genau
getan hat, wollten sie uns nicht bekanntgeben. Auf jeden Fall wurde an
diesem Abend noch kräftig angestossen. Die beiden hatten sich ja
vor 9 Jahren auf einer unserer Frankreich-Skireisen kennengelernt.
Heuer teilten die beiden sich das Appartement mit Michi Strömer
plus Martina, die diesmal den Termin wechselten (waren voriges Jahr zu
Ostern mit).

Ein kunterbunte Mischung lebte im Appartement 701 zusammen. Da
waren zuerst einmal die beiden Eibiswalder Snowboarder und
Naturburschen Martin und Hansl. Aufgrund der Herkunft nicht für
alle immer sofort zu vertehen, sorgten sie jedoch für ganz feinen
IPOD-Sound im Appartement und für würdige Touren im
Gelände. Vor allem Dagmar, die eingebürgerte Architektin aus
dem Schwabenland, profitierte gerne von den lokalen Kenntnissen der
beiden Jungs. Die Kanadierin Liz, als Anlagenbauerin bei Siemens
tätig, beehrt uns alle 2-3 Jahre und zählt jedes Mal zu den
fleißigsten Skifahrern der Gruppe. Ebenfalls sehr fleißig
war Herbert, der es nicht nur mit seinen Skiern tuschen
läßt, sondern auch in den diversen Bars von Tignes Val
Claret große Ausdauer zeigt.
Aufgrund des sehr kreativen Abendprogramms der Leobner bevorzugte Herbert heuer allerdings eindeutig den Wobbly.

Trotz aller vernichteten Getränke muss auch der Sport hervorgehoben werden. Di, Mi, Do waren 3 Tage mit Schneefall, nicht sehr intensiv auch die Sicht war nicht allzu schlecht, erlaubte sogar den einen oder anderen Abstecher auf eine Skiroute. Am Freitag jedoch erwarteten wir nach diesen 3 Tagen leichten Schneefalls gleich von der Früh weg einen strahlend blauen Skitag. Dieser Tag sollte der Höhepunkt der Woche werden.

Uli, Fritz, Peter, Ernstl, Mülli und Klaus folgten Nofi, der versuchte eine ordentliche Tour mit den schönsten Hängen bis ins Grand Vallon zusammenzustellen. Bis zum späten Nachmittag konnten wir etliche jungfräuliche Hänge mit unseren Spuren verzieren. Zum Schluss trafen wir noch Dagmar mit Martin und Hansl und wir machten uns zusammen nochmals auf zum neuen Signal (neue Sesselbahn und dann umsteigen auf verkürzten Schlepper), um von dort rechts entlang des Grates zu queren und dann hinten ins Tal des Col Persreinzustechen. Ganz wenig zerfahren war dies der Höhepunkt der Woche und ließ uns zufrieden den Tag im Wobbly ausklingen. Spät abends besuchten wir diesen noch einmal, um dann auch noch in der Disco ("Melting Pot") abzutanzen.
An neuen Liften sei nebem dem Signal der Palafour (Start im Zentrum von Tignes Le Lac gegenüber vom Aeroski) erwähnt. Gut bewährt hat sich auch das neue System mit den Automaten und den fotolosen Liftkarten. Die relativ kleine und dünne Karte einmal auf der linken Seite im Anorak verwahrt, gewähren die Automaten verläßlichen Durchlass zu den jeweiligen Aufstiegshilfen. Die schlimmen Befürchtungen bezüglich Verschwinden des netten Liftpersonals von Tignes bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht und die Fotoserie ("Liftpersonal von Tignes") kann weitergeführt werden.
Wehmütig verließen wir am Samstag nach einer sehr schönen Woche Frankreich, mußten uns in der Nacht bei Mailand wieder durch einige Umleitungen kämpfen und schafften es am Sonntag ziemlich genau um 08:00 Uhr früh gerade nicht mehr bis zum Hauptbahnhof. Genau vor der Kreuzung Annenstraße - Bahnhofgürtel ging uns der Sprit aus und wir sorgten ein letztes Mal für Aufsehen!